Rechtsprechung zu mittelgradigen depressiven Störungen: Bundesgericht schafft mehr Klarheit

11. April 2015

In einem neueren Urteil des Bundesgerichts (Urteil 9C_140/2014 vom 07.01.2015) hat es sich zur Wechselwirkung von invaliditätsfremden Gründen und zu depressiven Störungen geäussert. Danach kann eine mittelgradige depressive Störung mit daneben bestehenden verschiedenen psychosozialen Belastungen durchaus zu einer halben IV-Rente führen. Unter dem Strich verleiht es im Bereich der psychischen Beeinträchtigungen den medizinischen Einschätzungen der Ärzte gegenüber der rechtsanwendenden Behörden wieder mehr Gewicht oder zumindest Klarheit für die Rechtsanwendung. Dieses Urteil erachte ich mit Blick auf die immer strengere Rechtsprechung des Bundesgericht als überraschend wie auch sachgerecht. Aus dem Urteil:

4.2. Der psychiatrische Administrativgutachter unterschied die diagnostizierte mittelgradige depressive Störung ausdrücklich von den „daneben“ bestehenden „verschiedenen psychosozialen Belastungen im Sinne von IV-fremden Faktoren wie Finanzen, Scheidung sowie Wirtschaftslage“. Die gutachterliche Äusserung, „unter Berücksichtigung der IV-fremden Faktoren“ bestehe eine 50-prozentige Arbeitsunfähigkeit, darf – auch mit Blick auf den versicherungsmedizinischen Kontext, in welchem die Angabe erfolgte – dahin verstanden werden, die psychosozialen Faktoren seien von der Schätzung der Arbeitsfähigkeit ausgeschlossen und nicht etwa, wie der reine Wortlaut nahelegen könnte, darin einbezogen worden. …