Rückwärtsfahren auf einer Autobahneinfahrt führt nicht immer zu einem Führerausweisentzug

2. Oktober 2015

Das Rückwärtsfahren auf einer Autobahneinfahrt stellt eine Verkehrsregelverletzung nach dem Strassenverkehrsgesetz dar, welche in der Praxis oft mit drei Monaten Führerausweisentzug geahndet wird. Eine schwere Widerhandlung setzt allerdings eine erhöhte abstrakte Gefährdung sowie ein gewissensloses, skrupelloses und rücksichtsloses Verhalten gegenüber anderen Strassenverkehrsteilnehmer voraus. In einem von der Streiff-Rechtskanzlei geführten Fall konnte nachgewiesen werden, dass das Rückwärtsfahren kein gewissenloses, skrupelloses und rücksichtloses Verhalten darstellt, womit der subjektive Tatbestand nicht erfüllt war. Auch konnte eine erhöhte abstrakte Gefährdung für andere Verkehrsteilnehmer verneint werden, weil die Sichtverhältnisse gut waren, ein geringes Verkehrsaufkommen bestand und weil der Lenker nur eine kurze Strecke auf dem Pannenstreifen rückwärts gefahren ist. Das Strassenverkehrsamt Thurgau hat schlussendlich nur eine Verwarnung ausgesprochen.